Die HSP (Hereditäre Spastische Paraplegie) ist eine genetische Erkrankung. Diese bewirkt, dass ganz bestimmte Nervenfasern (Pyramidenbahn) im Rückenmark degenerieren. Das sind die Nerven die die Bewegung der Beine steuern.
Solche Menschen haben Probleme mit ihrem Bewegungsvermögen. Die ersten Anzeichen sind, dass sportliche Aktivitäten nicht mehr möglich sind. Beim Gehen bleiben die Beine hängen, was zu stolpern führt. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann mitunter ein Rollstuhl notwendig sein um am Leben teilnehmen zu können. Diese Krankheit ist bisher noch nicht heilbar. Die von HSP Betroffenen Menschen haben oft einen wahren Ärztemarathon hinter sich, bevor die Diagnose gestellt werden kann. Die Ursache dafür ist neben dem seltenen Auftreten der Erkrankung, der große Aufwand der zur Diagnose bislang noch betrieben werden muss.
Hereditäre Spastische Paraplegie
Neurologische Erbkrankheit
Die Hereditäre Spastische Paraplegie (HSP) ist der Sammelbegriff für eine Gruppe seltener, erblich bedingter neurologischer Erkrankungen. Charakteristisch ist eine Schädigung bestimmter Nervenbahnen im Rückenmark, der sogenannten Pyramidenbahnen, die für die Steuerung willkürlicher Bewegungen verantwortlich sind.
Die Nerven, die Bewegungsbefehle von der Hirnrinde aus übermitteln, werden als erstes Motoneuron bezeichnet. Im Rückenmark werden diese Signale auf die zweiten Motoneuronen umgeschaltet, die die Befehle an die Muskulatur weiterleiten.
Bei HSP sind vor allem die Nerven des ersten Motoneurons betroffen. Dadurch werden die Bewegungsimpulse gestört übertragen, was zu den typischen Beschwerden wie Muskelsteifigkeit (Spastik) und einer zunehmenden Beeinträchtigung des Gehens führt. Die zweiten Motoneuronen sind bei HSP meist nicht oder nur geringfügig betroffen.
HSP bezeichnet ein Krankheitsbild, das
H –hereditär, also erblich bedingt ist und dadurch eine Störung im
S –Spinalbereich (=Rückenmark) mit einer folgenden Spastik erzeugt, die eine
P –Parese (=unvollständige Lähmungserscheinung) verursacht.
Die Hereditäre Spastische Paraplegie (HSP) ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Zu den typischen Symptomen gehören eine zunehmende Spastik – also eine erhöhte Muskelspannung – sowie eine fortschreitende Schwäche der Bein- und Hüftmuskulatur. Dadurch fällt das Gehen immer schwerer und die Beweglichkeit nimmt mit der Zeit ab.
Die Ursachen der HSP liegen in Veränderungen des Erbguts. Bis heute wurden mehr als 85 Gene identifiziert, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Für über 70 dieser Gene ist bereits bekannt, welche Eiweiße (Proteine) sie bilden und welche Aufgaben diese im Nervensystem erfüllen.
Man unterscheidet zwei Formen der HSP:
Reine (unkomplizierte) HSP: Bei dieser Form beschränken sich die neurologischen Beschwerden überwiegend auf die Beine. Sie ist mit über 80 Prozent die häufigste Form der Erkrankung.
Komplizierte HSP: Hier treten zusätzlich weitere neurologische oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. Dazu können beispielsweise epileptische Anfälle, kognitive Einschränkungen, Störungen anderer Bereiche des Nervensystems oder Erkrankungen der peripheren Nerven gehören. Andere Ursachen für Nervenschäden, wie beispielsweise Diabetes mellitus, müssen dabei ausgeschlossen werden.
Die HSP verläuft individuell unterschiedlich. Während bei vielen Betroffenen die Beschwerden über Jahre nur langsam zunehmen, können Ausprägung und Verlauf je nach genetischer Ursache und Form der Erkrankung variieren.
Bisher gibt es noch keine Möglichkeiten, die HSP zu heilen oder auch nur den Fortschritt der Erkrankung zu stoppen. Zahlreiche Forschungsaktivitäten laufen zwar derzeit, aber mit Ergebnissen, die zeitnah zu einem Medikament führen werden, ist noch nicht zu rechnen.
Für die Hereditäre spastische Spinalparese (HSP) existieren verschiedene Bezeichnungen, die im medizinischen Sprachgebrauch und in der Literatur verwendet werden. Zu den gebräuchlichsten zählen erbliche spastische Paraparese (bzw. Paralyse), familiäre spastische Paraparese (bzw. Paralyse) sowie die Strümpell-Lorrain-Krankheit.
Darüber hinaus finden sich weitere Bezeichnungen wie spastische Paraplegie, hereditäre Charcot-Krankheit, spastische Spinalparalyse oder Diplegia spinalis progressiva. Auch das Troyer-Syndrom und das Silver-Syndrom werden in diesem Zusammenhang genannt, stellen jedoch jeweils spezielle Unterformen der HSP dar.
Häufig werden außerdem die Abkürzungen HSP, FSP oder SSP verwendet. Sie beschreiben dieselbe Erkrankung und unterscheiden sich nicht in ihrer Bedeutung. Heute hat sich jedoch die Abkürzung HSP als international anerkannte und medizinisch korrekte Bezeichnung durchgesetzt.
Die Hereditäre spastische Spinalparese (HSP) zählt zu den sogenannten Seltenen Erkrankungen. In Europa gilt eine Krankheit als selten, wenn höchstens fünf von 10.000 Menschen von einem bestimmten Krankheitsbild betroffen sind.
Auch wenn jede einzelne Seltene Erkrankung nur wenige Menschen betrifft, sieht das Gesamtbild anders aus: Insgesamt gibt es mehrere tausend verschiedene Seltene Erkrankungen, sodass zusammengenommen Millionen Menschen in Europa mit einer solchen Diagnose leben. Seltene Erkrankungen sind daher einzeln betrachtet selten – in ihrer Gesamtheit jedoch keineswegs.
Die HSP ist selten.
Somit errechnen sich die mittleren Mengen:
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Land |
Geschätzte Zahl der HSP-Betroffenen |
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Deutschland |
6.000–8.000 |
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Österreich |
400–600 |
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Schweiz |
200–300 |
Allgemeine Prävalenz: etwa 2–10 Betroffene pro 100.000 Einwohner, je nach Studie und Region.
Einige Betroffene, die alle Kennzeichen und Symptome der HSP zeigen, scheinen keine ebenso betroffenen Familienangehörigen zu haben. Ohne "Nachweis", dass die Erscheinungen erblich sind, kommen einige Ärzte im Rahmen einer Ausschlussdiagnostik zu dem Schluss, dass es sich um eine „spastische Paraparese“ oder „sporadische spastische Paraparese“ handelt. Andere Ärzte mögen dieselben Anzeichen als PLS (primäre Lateralsklerose) diagnostizieren, die der HSP, in der Form wie sie die unteren Körperregionen beeinflusst, ähnelt. Jedoch zeigen gegenwärtige Forschungen, dass sich die PLS von der HSP dadurch unterscheidet, dass sie neben den Beinmuskeln auch die Arm-, die Sprach- und die Schluckmuskeln stark betrifft
Es gibt viele Gründe, warum jemand mit einer HSP-Erkrankung, die dann manchmal als sporadisch bezeichnet wird, keine Familiengeschichte haben kann. Rezessive und X- chromosomal gebundene Genmutationen bringen es mit sich, dass die Erkrankung über mehrere Generationen ausbleiben kann und dann plötzlich erscheint. Außerdem gibt es große Unterschiede im Alter des Beginns der HSP, sowie Unterschiede in der Entwicklung und im Schweregrad, so dass die Krankheit bei anderen Familienangehörigen unerkannt geblieben sein kann, oder dass ein Familienmitglied vor dem Ausbruch der Symptome verstorben sein kann. Zudem verläuft die Krankheit bei einigen Menschen gutartig, so dass sie gar keine Symptome entwickeln. Diese Menschen können den genetischen Fehler aber an ihre Nachkommen weitervererben Außerdem –und das darf nicht verschwiegen werden– gibt es natürlich die Möglichkeit, dass der biologische Vater nicht bekannt ist. Des Weiteren kann es sich um eine spontane Mutation handeln, die bisher in der Familie nicht aufgetreten war. Es muss bei jeder genetischen Mutation, die weitervererbt wird, immer einmal den „Patienten Eins“ gegeben haben
Die HSP wird häufig als Hereditäre spastische Spinalparalyse bezeichnet. Ebenso findet sich jedoch die Bezeichnung Hereditäre spastische Spinalparese.
Für die meisten Menschen mit HSP ist der Begriff Spinalparese treffender. Eine Parese beschreibt eine unvollständige Lähmung, bei der eine Restbeweglichkeit erhalten bleibt. Eine Paralyse hingegen bezeichnet eine vollständige Lähmung. Da eine komplette Lähmung bei HSP nur selten auftritt, entspricht der Begriff Spinalparese in den meisten Fällen eher dem tatsächlichen Krankheitsbild.
In der medizinischen Fachliteratur werden dennoch beide Bezeichnungen verwendet.
Die HSP wird in eine unkomplizierte (reine) und eine komplizierte Form unterteilt. Bei den meisten Betroffenen liegt die reine Form der HSP vor, bei der die genetische Veränderung hauptsächlich die für die Erkrankung typischen Symptome verursacht.
Die im Folgenden beschriebenen Krankheitszeichen sind charakteristisch für die HSP. Allerdings treten sie nicht bei allen Betroffenen auf, und auch der Zeitpunkt ihres Auftretens kann sehr unterschiedlich sein.
Bei der komplizierten Form können zusätzlich weitere Symptome auftreten. Diese sind jedoch insgesamt selten. Treten solche Beschwerden auf, sollte sorgfältig abgeklärt werden, ob sie tatsächlich mit der HSP zusammenhängen oder ob eine andere Ursache dafür verantwortlich ist.
Viele Betroffene möchten sich einen Überblick über die verschiedenen HSP-verursachenden Gene (SPG-Typen) verschaffen und suchen nach verständlichen Informationen.
Zwar lassen sich über wissenschaftliche Datenbanken und Suchmaschinen, wie beispielsweise PubMed, umfangreiche Informationen zu den einzelnen Genen finden. Diese Veröffentlichungen richten sich jedoch in erster Linie an medizinische Fachkreise und beschreiben meist die Ergebnisse aktueller Forschungsarbeiten. Für Menschen mit HSP sind sie daher oft sehr detailliert und schwer verständlich.
Aus diesem Grund besteht ein großer Bedarf an übersichtlichen und allgemein verständlichen Informationen, die die wichtigsten Merkmale der einzelnen SPG-Typen zusammenfassen.
Das Leitsymptom der unkomplizierten HSP ist eine langsam fortschreitende Gehstörung. Sie entsteht durch eine zunehmende Muskelsteifigkeit (Spastik) und Muskelschwäche, vor allem in den Beinen.
Bei etwa 70 % der Betroffenen treten die ersten Beschwerden zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahrzehnt auf. Grundsätzlich kann die Erkrankung jedoch in jedem Lebensalter beginnen – von der frühen Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter.
Zu den ersten Anzeichen gehören häufig Gleichgewichtsstörungen, Stolpern, das Schleifen der Füße oder ein Hängenbleiben mit den Zehen. Da sich diese Veränderungen meist schleichend entwickeln, werden sie oft zunächst von Angehörigen oder Freunden bemerkt, bevor die Betroffenen selbst sie wahrnehmen.
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kann der Einsatz von Hilfsmitteln wie Gehstöcken, Unterarmgehstützen oder einem Rollstuhl erforderlich werden. Der Krankheitsverlauf ist jedoch sehr unterschiedlich. Manche Menschen mit HSP benötigen ihr Leben lang keine Gehhilfen und bleiben trotz der Erkrankung mobil. Selbst innerhalb einer Familie können sich Erkrankungsbeginn und Schweregrad deutlich unterscheiden, obwohl dieselbe genetische Veränderung vorliegt.
Viele Betroffene berichten, dass ihnen das Hinuntergehen von Treppen deutlich schwerer fällt als das Hinaufgehen. Einige empfinden es sogar als einfacher, Treppen rückwärts hinunterzusteigen. Auch das Gehen auf abschüssigen Wegen bereitet häufig mehr Schwierigkeiten als das Gehen bergauf.
Ein weiteres typisches Merkmal ist der sogenannte Scherengang. Dabei drehen sich die Beine nach innen und kreuzen sich beim Gehen. Die Schritte sind meist kurz und der Körper wird beim Gehen verstärkt über das Standbein gedreht.
Kälte verstärkt die Beschwerden bei vielen Betroffenen. Daher sind die Symptome im Winter häufig ausgeprägter als in den wärmeren Monaten. Außerdem berichten viele Menschen mit HSP über eine erhöhte Ermüdbarkeit, die sich oft zu bestimmten Tageszeiten bemerkbar macht.
Weitere mögliche Symptome sind:
Schmerzen können sich unterschiedlich äußern. Einige Betroffene leiden unter schmerzhaften Muskelkrämpfen in den Beinen, andere vor allem unter Rückenbeschwerden. Schmerzen im Rücken, in den Knien oder durch Muskelverspannungen entstehen häufig infolge veränderter Bewegungsabläufe und einer langfristigen Fehlbelastung des Körpers. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig mit einer regelmäßigen physiotherapeutischen Behandlung zu beginnen.
Viele Betroffene beobachten außerdem, dass sich ihre Symptome zeitweise abschwächen. Dadurch kann der Eindruck entstehen, die Erkrankung verbessere sich. Diese Phasen sind jedoch meist nur vorübergehend und die Beschwerden nehmen nach kurzer Zeit wieder das gewohnte Ausmaß an
Die meisten Menschen mit HSP sind von der reinen (unkomplizierten) Form der Erkrankung betroffen. Daneben gibt es seltene komplizierte Formen, bei denen neben den typischen Bewegungsstörungen weitere neurologische Symptome auftreten können.
Zu den möglichen zusätzlichen Krankheitszeichen gehören unter anderem periphere Nervenerkrankungen (Neuropathien), Epilepsie oder Ataxie. Unter einer Ataxie versteht man eine Störung der Bewegungskoordination, die zu unkontrollierten oder ungenauen Bewegungsabläufen führen kann.
Wichtig ist jedoch, dass solche zusätzlichen Symptome nicht zwangsläufig durch die HSP verursacht werden. So kann beispielsweise eine periphere Neuropathie auch die Folge einer Diabeteserkrankung sein, und eine Epilepsie kann unabhängig von der HSP auftreten. Deshalb sollte bei jedem zusätzlichen Symptom sorgfältig untersucht werden, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit der HSP besteht oder eine andere Ursache vorliegt.
Die genannten Begleitsymptome treten insgesamt nur selten auf. Selbst bei einer komplizierten Form der HSP müssen nicht alle – oder überhaupt eines – dieser zusätzlichen Symptome vorhanden sein. Der Verlauf und die Ausprägung der Erkrankung können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.
Es ist bekannt, dass selbst bei Betroffenen mit derselben Genveränderung die Symptome unterschiedlich ausgeprägt sein können. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass innerhalb eines betroffenen Gens zahlreiche unterschiedliche Mutationsstellen und Mutationsformen existieren. So sind beispielsweise im Spastin-Gen (SPG4) über 250 verschiedene Mutationen bekannt. Diese Vielfalt kann erklären, warum sich die Symptome der hereditären spastischen Paraparese (HSP) sowohl in ihrer Stärke als auch im Zeitpunkt ihres Auftretens so unterschiedlich zeigen.
Doch diese Unterschiede treten nicht nur zwischen verschiedenen Betroffenen auf, sondern auch innerhalb derselben Familie. Zwar liegt dort bei vererbter HSP-Mutation in der Regel exakt dieselbe genetische Veränderung vor, also dasselbe betroffene Gen mit demselben Defekt. Dennoch können sich sowohl der Krankheitsbeginn als auch der Schweregrad der Symptome deutlich unterscheiden.
Eine wesentliche Ursache hierfür wird vermutlich im Zusammenspiel verschiedener Gene und der von ihnen gebildeten Proteine liegen. Dieses Phänomen ist auch bei anderen genetisch bedingten Erkrankungen bereits nachgewiesen worden. Gene, die die Aktivität anderer Gene beeinflussen, werden als sogenannte „Modifier-Gene“ bezeichnet (von englisch to modify = verändern).
Bei der HSP sind solche Modifier-Gene bisher noch nicht identifiziert worden. Ein Grund dafür könnte auch in der unzureichenden Finanzierung entsprechender Forschungsprojekte liegen. Erkenntnisse aus anderen genetischen Erkrankungen zeigen jedoch, wie bedeutend diese Forschung sein kann.
Sollten solche Gene identifiziert werden, könnten daraus möglicherweise Gentests entwickelt werden, mit denen sich der Krankheitsverlauf besser vorhersagen lässt. Noch wichtiger wäre jedoch das therapeutische Potenzial: Es könnten neue Medikamente entwickelt werden, die die positiven Effekte solcher Modifier-Gene nachahmen. Ziel wäre es, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen, also den Symptombeginn möglichst weit hinauszuzögern und die Schwere der Symptome zu reduzieren. Dabei ist zu beachten, dass es auch Modifier-Gene geben kann, die den Verlauf negativ beeinflussen.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass bestimmte Modifier-Gene sogar dazu führen, dass bei vorhandener HSP-Mutation keine Symptome auftreten. Tatsächlich zeigen etwa 25 % der Menschen mit einer HSP-typischen Mutation keinerlei Krankheitszeichen. Dennoch tragen sie die gleiche genetische Veränderung und haben somit dasselbe Risiko, diese an ihre Kinder weiterzugeben wie symptomatische Betroffene. Diese Beobachtung könnte ebenfalls durch schützende Modifier-Gene erklärt werden.
Die Identifikation solcher Gene könnte einen bedeutenden Fortschritt darstellen. Allerdings ist dieser Ansatz mit großen Erwartungen verbunden und nur durch umfangreiche Forschungsarbeit realisierbar. Voraussetzung dafür ist die aktive Beteiligung vieler Familien sowie eine ausreichende Finanzierung entsprechender Studien.Formularbeginn
Formularende
Spastizität bezeichnet eine unwillkürliche Verkrampfung der Muskulatur in Armen oder Beinen, die Schmerzen verursachen und die normale Bewegung erheblich einschränken kann. Sie tritt typischerweise nach Schädigungen des zentralen Nervensystems auf, beispielsweise nach einem Schlaganfall.
Durch die Schädigung werden Nervenverbindungen im Rückenmark unterbrochen, die normalerweise vom Gehirn gesteuert werden. Dadurch kann es zu einer Art „Entkopplung“ kommen: Das Rückenmark reagiert teilweise selbstständig und aktiviert die Muskulatur ohne entsprechende Signale aus dem Gehirn. Häufig geht diese erhöhte Muskelspannung mit einer zusätzlichen Muskelschwäche einher. In vielen Fällen bildet sich die Spastik nur unvollständig oder gar nicht zurück.
Nach einem Schlaganfall ist die Spastik besonders häufig im Arm ausgeprägt. Typisch sind dabei eine Beugestellung des Ellenbogens, ein an den Körper herangeführter Arm sowie eine verkrampfte Handhaltung. Im Bein zeigt sich die Spastik meist durch eine Steifheit des gesamten Beins und häufig durch einen sogenannten Spitzfuß.
Auch bei einer Querschnittlähmung treten spastische Symptome auf, wobei deren Ausprägung von der Höhe der Rückenmarksschädigung abhängt: Bei einer Schädigung im Brustbereich sind in der Regel nur die Beine betroffen, während bei höheren Läsionen im Bereich der Halswirbelsäule sowohl Arme als auch Beine spastisch sein können.
Eine Reihe von Symptomen können mit der Spastik zusammen auftreten:
Steifheit
Spastik verursacht eine erhöhte Muskelsteifheit (Muskeltonus), die sich durch Bewegungen des Armes von außen, z. B. auch im Rahmen der Physiotherapie besonders zeigt. Steifheit (Tonuserhöhung) kann zusätzlich zur Lähmung die Kontrolle des Armes, der Finger oder auch das Gehen behindern. Bei manchen Patienten kann die Steifheit die Schwäche als "Krücke" kompensieren. Bei solchen Patienten wäre die medikamentöse Verminderung der spastisch bedingten Steifheit nicht sinnvoll.
Schmerzen
Länger anhaltende spastische Muskelverkrampfungen können schmerzhaft sein, ausgelöst durch einfache Bewegungen, Hautreize oder durch eine volle oder entzündete Blase.
Klonus
Unter Klonus versteht man eine Serie unwillkürlicher stärkerer rhythmischer (ca. 3 / Sekunde) Muskelzuckungen mit zwischenzeitlicher Entspannung der Muskeln.Wie kann man Spastik behandeln. Die Behandlung der Spastik ist schwierig und erfordert eine Kombination verschiedener Verfahren:
Muskeldehnung und Physiotherapie
Täglich sollten mindestens 1-2mal die Gelenke so weit bewegt werden, dass sie ihren vollen Bewegungsumfang behalten und nicht auf Dauer eine Muskelverkürzung (Kontraktur) entsteht. Regelmäßige Dehnung kann Muskelverkürzungen entgegenwirken und die Muskelsteifigkeit für Stunden senken. Gelegentlich werden Gipse oder Schienen für eine gewisse Zeit angelegt, um den Bewegungsumfang bei spastischen Gliedmaßen wieder zu verbessern. Kälteanwendungen oder Lokalanästhetika können vorübergehend die spastische Tonuserhöhung vermindern.
Der Verlauf der Erkrankung sowie die Geschwindigkeit ihrer Verschlechterung lassen sich im Voraus nicht zuverlässig vorhersagen. In der Regel entwickelt sich die Symptomatik nach Beginn jedoch langsam und über viele Jahre hinweg kontinuierlich weiter.
Bei frühen Verlaufsformen, die bereits im Kindesalter beginnen, können die Symptome zunächst deutlich sichtbar werden und sich in der frühen Phase verstärken. Nach der Pubertät stabilisiert sich der Verlauf jedoch häufig, sodass es nur noch zu einer geringen oder sehr langsamen weiteren Verschlechterung kommt. Ein vollständiger Verlust der Gehfähigkeit der unteren Extremitäten tritt bei der hereditären spastischen Paraparese (HSP) nur selten auf.
In einigen Fällen liegt eine sogenannte „inkomplette Penetranz“ vor. Das bedeutet, dass eine Person zwar die genetische Veränderung trägt, jedoch niemals Symptome der Erkrankung entwickelt. Schätzungen zufolge betrifft dies etwa 25 % der Mutationsträger. Dennoch können auch diese Personen die HSP an ihre Kinder weitervererben, da sie Träger der Mutation sind.
Im Jahr 2005 wurde eine Umfrage unter Menschen mit HSP durchgeführt, um Art und Häufigkeit der Symptome, das Alter beim Auftreten sowie mögliche Zusammenhänge mit Lebensalter oder Geschlecht zu untersuchen. Dabei wurden 43 typische Symptome abgefragt. Insgesamt nahmen 200 Betroffene an der Erhebung teil. Die Ergebnisse zeigten sowohl die große Vielfalt der möglichen Symptome als auch die breite Streuung des Erkrankungsbeginns.
Die Diagnose der hereditären spastischen Paraparese (HSP) erfolgt in erster Linie durch eine sorgfältige klinische Untersuchung. Dabei steht zunächst im Vordergrund, andere Erkrankungen auszuschließen, die ebenfalls eine fortschreitende Spastik und Muskelschwäche in den Beinen verursachen können.
Im Rahmen der Abklärung folgt häufig eine Beobachtungsphase, um zu erkennen, ob sich im Verlauf weitere Symptome entwickeln, die auf eine andere Ursache hinweisen könnten. Zu den Erkrankungen, die dabei berücksichtigt und ausgeschlossen werden, zählen unter anderem Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), tropische spastische Paraparese (TSP) sowie ein Vitaminmangel, insbesondere von Vitamin B12 oder Vitamin E. Auch Schäden an der Brustwirbelsäule sowie Tumore im Rückenmark müssen ausgeschlossen werden.
Da die Diagnose somit vor allem auf dem Ausschluss anderer Ursachen beruht, spricht man auch von einer sogenannten Ausschlussdiagnose.
HSP ist eine erblich bedingte Erkrankung, weshalb die Familienanamnese (Erhebung von Erkrankungen in der Familie) eine wichtige Rolle spielt. Allerdings haben viele Betroffene trotz typischer Symptome keine bekannte familiäre Vorbelastung.
Etwa 70–80 % der HSP-Fälle beruhen auf einer Veränderung in einem dominanten Gen, während etwa 10–20 % auf rezessive Genveränderungen zurückzuführen sind. Rund 5 % der Betroffenen weisen eine Mutation auf dem X-Chromosom auf.
Die häufigste genetisch nachgewiesene Form der dominanten HSP betrifft das Gen SPG4 (Spastin) und macht etwa 40 % dieser Fälle aus. Bei einem Krankheitsbeginn im Kindesalter treten zudem häufiger Veränderungen in den Genen SPG3A (Atlastin) und SPG4 (Spastin) auf.
Die hereditäre spastische Paraparese (HSP) ist eine genetisch verursachte Erkrankung. Das bedeutet, dass eine Veränderung im Erbgut dazu führt, dass ein bestimmtes Gen ein fehlerhaftes Protein (Eiweiß) produziert. Durch diesen Defekt ist die räumliche Struktur des Proteins verändert, sodass es seine normale Funktion in der Zelle nicht mehr richtig erfüllen kann.
Bei der HSP führt dieser Funktionsverlust dazu, dass Nervenzellen zunehmend geschädigt werden und ihre Leistungsfähigkeit verlieren. Fachleute sprechen dabei von Degeneration. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass betroffene Zellen im Laufe der Zeit zugrunde gehen, weil das defekte Protein seine Aufgaben nicht mehr übernehmen kann.
Dieser Prozess verläuft sehr langsam und über viele Jahre hinweg. Für Betroffene äußert sich das darin, dass sich die Bewegungsfähigkeit schrittweise und kontinuierlich verschlechtert. Die zahlreichen Nervenzellen, die für die Steuerung von Bewegungen zuständig sind, gehen dabei nicht gleichzeitig zugrunde, sondern nach und nach.
Je mehr dieser Nervenzellen im Verlauf der Zeit ihre Funktion verlieren, desto stärker werden die Einschränkungen in der Bewegung.
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Formularende
Bei der hereditären spastischen Paraparese (HSP) berichten nicht wenige Patientinnen und Patienten, dass bei ihnen eine sogenannte Spontanmutation vorliegt. Dieser Verdacht ergibt sich in der Regel dadurch, dass die genetische Untersuchung zeigt, dass weder Mutter noch Vater die beim Kind nachgewiesene Mutation tragen. Wird zusätzlich die biologische Elternschaft beider Elternteile bestätigt, spricht man von einer Spontanmutation.
Für Betroffene stellt sich dabei oft die Frage, wie eine solche Mutation überhaupt entstehen kann und ob sie an die eigenen Kinder weitergegeben werden kann.
Häufig entsteht dabei die Vorstellung, Mutationen müssten im Laufe der vielen Zellteilungen des Körpers nach der Befruchtung entstehen. Tatsächlich entwickeln wir uns aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich anschließend unzählige Male teilt und zu einem Organismus mit über 100 Billionen Zellen heranwächst. Dennoch ist dies nicht der typische Entstehungsort solcher Mutationen bei der HSP.
Wichtig ist hierbei, dass die für die HSP verantwortlichen Gene vor allem in sehr langen Nervenzellen des zentralen Nervensystems wirksam sind, insbesondere in der Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis). Diese Nervenzellen entstehen früh in der Entwicklung und teilen sich danach nicht mehr. Das bedeutet, dass einmal entstandene genetische Veränderungen in diesen Zellen dauerhaft bestehen bleiben.
Andere Zelltypen, etwa Blutzellen, erneuern sich dagegen ständig durch Zellteilung. Genau in diesen Zellen wird das Erbgut häufig auch für genetische Untersuchungen analysiert. Wenn sowohl die nicht teilungsfähigen Nervenzellen als auch die sich ständig erneuernden Blutzellen die gleiche Mutation tragen, muss diese Veränderung sehr früh in der Entwicklung entstanden sein.
Spontanmutationen entstehen typischerweise während der Bildung von Ei- und Samenzellen. Dieser Prozess heißt Meiose. Dabei wird das Erbgut, das in Körperzellen doppelt vorliegt (je ein Satz von der Mutter und vom Vater), auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert und neu kombiniert. Dieser Vorgang umfasst etwa drei Milliarden Basenpaare, die korrekt verteilt werden müssen – ein Prozess mit entsprechend hoher Fehleranfälligkeit.
Kommt es dabei zu einem Fehler, entsteht eine neue Mutation bereits in der Keimzelle eines Elternteils. Diese wird dann bei der Befruchtung an das Kind weitergegeben und ist von Beginn an in allen Körperzellen vorhanden. Deshalb lässt sich die Mutation später in allen Geweben nachweisen.
Damit gilt auch für Spontanmutationen: Sie unterscheiden sich in ihren Auswirkungen nicht von anderen genetischen Veränderungen. Sind sie einmal entstanden, werden sie ebenso wie vererbte Mutationen an die nächste Generation weitergegeben.
Häufig wird beschrieben, dass bei einer autosomal-dominanten Vererbung das Risiko, die Erkrankung an jedes Kind weiterzugeben, bei 50 % liegt. Diese Aussage ist korrekt: Jedes Kind eines betroffenen Elternteils hat unabhängig vom Geschlecht eine Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 2, die Mutation zu erben.
Für die autosomal-rezessive Vererbung wird oft ein Risiko von 25 % genannt. Diese Angabe wird jedoch leicht missverstanden. Sie gilt ausschließlich für den Fall, dass beide Eltern Träger derselben rezessiven HSP-Mutation sind, selbst aber keine Krankheitssymptome zeigen. In dieser Konstellation besteht für jedes Kind ein 25%iges Risiko, tatsächlich erkrankt zu sein.
Eine Erbkrankheit ist eine Erkrankung oder Besonderheit, die durch genetische Veränderungen verursacht wird. Diese können entweder auf einem einzelnen veränderten Gen (monogen) oder auf dem Zusammenspiel mehrerer veränderter Gene (polygen) beruhen und eine gewisse Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten mit sich bringen. Man spricht dabei auch von monogenetischen bzw. polygenetischen Erkrankungen.
Im engeren Sinn versteht man unter Erbkrankheiten jedoch nur solche Leiden, die durch von Geburt an veränderte Gene entstehen und über die Vererbung von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben werden.
Derzeit sind etwa 87 verschiedene Gene bekannt, bei denen Mutationen eine HSP (Hereditäre Spastische Paraparese) auslösen können. Einige dieser Gene können bereits auf Veränderungen hin untersucht werden, vorausgesetzt, das dazugehörige Genprodukt (Protein) ist bekannt.
Noch vor wenigen Jahren waren genetische Analysen sehr aufwendig und entsprechend teuer. Inzwischen haben sich die Methoden zwar deutlich verbessert und beschleunigt, dennoch erhält nicht jeder Betroffene automatisch eine vollständige genetische Untersuchung.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen sind die Kosten trotz Fortschritten weiterhin hoch, zum anderen sind noch nicht alle verantwortlichen Genorte ausreichend erforscht, sodass nicht in jedem Fall ein eindeutiges Ergebnis möglich ist. Zudem sind bei der HSP noch nicht alle krankheitsverursachenden Gene identifiziert. Fortschritte in der Forschung sind hier stark von ausreichender Finanzierung abhängig.
Aktuell sind mehr als 85 HSP-Gene bekannt – vor etwa acht Jahren waren es noch weniger als dreißig. Diese große Anzahl zeigt, dass HSP keine einzelne Krankheit ist, sondern eine Gruppe von Erkrankungen mit sehr ähnlichen Symptomen.
In der Praxis wird häufig zunächst das Gen SPG4 (Spastin) untersucht, da es bei der Mehrzahl der dominanten HSP-Fälle verändert ist. Die Auswertung solcher Tests kann mehrere Monate dauern.
Moderne Verfahren wie die Hochdurchsatz-Sequenzierung ermöglichen inzwischen, viele Gene gleichzeitig zu analysieren. Diese Technik wird derzeit weiterentwickelt, um HSP-Mutationen schneller und umfassender zu erkennen.
Einige Menschen mit HSP lehnen eine genetische Untersuchung grundsätzlich ab. Sie begründen dies damit, dass ein positives Ergebnis ihre persönliche Situation nicht verändern würde, da die Erkrankung – unabhängig davon, ob eine genetische Diagnose vorliegt oder nicht – derzeit nicht heilbar ist. Eine solche Untersuchung wäre aus ihrer Sicht nur dann sinnvoll, wenn sie unmittelbar zu einer Therapie führen könnte.
Auf den ersten Blick wirkt dieses Argument nachvollziehbar. Allerdings stellt sich die Frage, wie jemals eine Behandlung entwickelt werden soll, wenn nicht zunächst die genetischen Grundlagen der Erkrankung bekannt sind. Genau hier setzt die Gendiagnostik an: Sie liefert die entscheidenden Informationen, auf denen die Forschung aufbaut und auf deren Basis mögliche zukünftige Therapien entwickelt werden können. In diesem Sinne bildet sie ein wichtiges Fundament für den medizinischen Fortschritt.
Hinzu kommt, dass bei HSP eine große Zahl unterschiedlicher Gene beteiligt ist. Jeder identifizierte Gendefekt erweitert das Verständnis der Erkrankung und hilft, die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu erklären. Selbst bei bereits bekannten Genen zeigt sich zudem, dass die Symptome stark variieren können – sogar innerhalb einer Familie mit derselben Mutation.
Jede genetische Diagnose liefert daher wertvolle Hinweise für die Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit den jeweiligen Krankheitsverläufen. Je mehr Daten verfügbar sind, desto besser kann die Wissenschaft Zusammenhänge erkennen und langfristig therapeutische Ansätze entwickeln. In diesem Sinne tragen Betroffene selbst aktiv zur Weiterentwicklung der Forschung bei.
Außerdem ist zu berücksichtigen, dass frühere genetische Untersuchungen heute zu anderen Ergebnissen führen können, da inzwischen deutlich mehr krankheitsrelevante Gene bekannt sind als noch vor einigen Jahren. Eine erneute Analyse kann daher sinnvoll sein.
Insgesamt kann eine genetische Diagnostik langfristig als wichtige Unterstützung für die gesamte HSP-Forschung gesehen werden. Sie liefert Grundlagenwissen, das insbesondere bei seltenen Erkrankungen entscheidend ist. Ohne diese Daten wird der Fortschritt deutlich erschwert. Daher ist es wichtig, sich nicht darauf zu verlassen, dass andere diese Untersuchungen übernehmen, sondern selbst aktiv dazu beizutragen.
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Für viele Menschen mit hereditärer spastischer Paraparese (HSP) ist es zunächst überraschend, dass der Erkrankung nicht ein einzelnes Gen zugrunde liegt. Stattdessen sind mittlerweile rund 87 verschiedene Gene bekannt, in denen Mutationen eine HSP auslösen können. Damit unterscheidet sich die HSP deutlich von vielen anderen erblich bedingten Erkrankungen.
Ein bekanntes Beispiel zum Vergleich ist die Mukoviszidose, die durch Veränderungen in einem einzigen Gen verursacht wird. Bei der HSP hingegen handelt es sich um eine genetisch sehr vielfältige Erkrankung, weshalb auch häufig von einer Krankheitsgruppe gesprochen wird.
Die Anzahl der bekannten HSP-Gene nimmt zudem stetig zu. Forschende entdecken immer wieder neue Gene, die mit der Entstehung der Symptome in Verbindung stehen. Dieser fortlaufende Erkenntnisgewinn ist wichtig, da ein besseres Verständnis der genetischen Grundlagen langfristig entscheidend für die Entwicklung möglicher Therapien sein kann.
Bei vielen Menschen mit hereditärer spastischer Paraparese (HSP) lässt sich auch mit den heutigen diagnostischen Methoden kein eindeutig krankheitsverursachendes Gen identifizieren. Schätzungen zufolge betrifft das etwa die Hälfte aller Betroffenen. Die Erklärung dafür ist zwar wissenschaftlich nachvollziehbar, für die Betroffenen jedoch oft unbefriedigend.
Aktuell sind rund 100 Gene bekannt, deren Veränderungen jeweils eine HSP auslösen können. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass es insgesamt deutlich mehr – möglicherweise bis zu 200 – solcher Gene geben könnte. Die genetische Diagnostik arbeitet dabei vergleichend: Das Erbgut einer betroffenen Person wird mit den bereits bekannten HSP-Genen abgeglichen. Wird dabei keine passende Veränderung gefunden, liegt die Vermutung nahe, dass die zugrunde liegende Mutation in einem bislang nicht bekannten HSP-Gen liegt.
Die Suche nach neuen Genen ist jedoch komplex. Der menschliche Genbestand umfasst etwa 20.000 Gene, die sich von Person zu Person unterscheiden. Diese Unterschiede sind völlig normal und erklären unter anderem individuelle Merkmale wie Aussehen, Stimme oder bestimmte körperliche Eigenschaften. Viele dieser genetischen Varianten sind harmlos und haben keinen Krankheitswert.
Genau darin besteht die Herausforderung: Unter der Vielzahl natürlicher genetischer Unterschiede diejenige Veränderung zu identifizieren, die tatsächlich krankheitsverursachend ist. Dafür ist häufig eine Untersuchung ganzer Familien notwendig. Dabei werden sowohl betroffene als auch nicht betroffene Familienmitglieder genetisch analysiert. Ziel ist es, gemeinsame genetische Veränderungen zu finden, die ausschließlich bei den erkrankten Personen auftreten. Nur solche Varianten kommen als mögliche Ursache eines bisher unbekannten HSP-Gens infrage.
Auch wenn dieser Aufwand groß ist, ist er für den Fortschritt entscheidend. Jede neu entdeckte Genveränderung erweitert das Verständnis der Erkrankung und schafft eine Grundlage für verbesserte Diagnostik und zukünftige Therapien.
Dabei spielt auch die Entwicklung neuer Therapieansätze wie der Gentherapie, etwa mit CRISPR-Cas9, eine wichtige Rolle. Solche Verfahren könnten eines Tages gezielt genetische Veränderungen korrigieren. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die genaue krankheitsverursachende Mutation bekannt ist.
Aus diesem Grund ist die Mitarbeit von Familien mit HSP-Betroffenen besonders wertvoll. Bereits wenige Blutproben aus betroffenen und nicht betroffenen Angehörigen können helfen, neue krankheitsrelevante Gene zu identifizieren und damit langfristig die Grundlage für neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zu schaffen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass solche genetischen Untersuchungen sehr aufwendig sind und viel Zeit in Anspruch nehmen, da große Datenmengen analysiert und miteinander verglichen werden müssen.
In der modernen Gendiagnostik werden Patientinnen und Patienten mit HSP häufig mit Fachbegriffen konfrontiert, die zunächst schwer verständlich wirken. Begriffe wie Genotyp, Phänotyp, Genanalyse, Exomanalyse oder Genomanalyse gehören dabei zum Standardvokabular. Im Folgenden sollen einige dieser Grundlagen einfach erklärt werden, um ein besseres Verständnis für die genetische Diagnostik zu ermöglichen.
Zunächst lohnt sich ein kurzer Blick auf den Aufbau eines Gens. Unsere Erbinformation ist in der sogenannten Doppelhelix gespeichert, die man sich vereinfacht, wie eine gedrehte Leiter vorstellen kann. Die „Sprossen“ dieser Leiter bestehen aus vier chemischen Bausteinen, die international mit den Buchstaben A (Adenin), T (Thymin), C (Cytosin) und G (Guanin) abgekürzt werden. Diese Basen bilden die „Sprache“ der Gene. Kombinationen dieser Basen – etwa ACG – stehen für bestimmte Aminosäuren, aus denen letztlich Proteine (Eiweiße) aufgebaut werden.
Kommt es in dieser Abfolge zu einer Veränderung, etwa durch den Austausch, das Fehlen oder die Einfügung eines einzelnen Buchstabens, spricht man von einer Mutation. Genau diese Veränderungen sucht die Gendiagnostik: also Abweichungen in einem von etwa 20.000 Genen, die für eine Erkrankung verantwortlich sein können.
Als Beispiel kann das SPG4-Gen (auch SPAST-Gen genannt) dienen, das mit einer Form der HSP in Verbindung steht. Die darin enthaltene Information dient dem Bau des Proteins Spastin. Allerdings wird das Gen nicht in seiner ursprünglichen Form direkt genutzt. Zunächst wird es „bearbeitet“: Bestimmte Abschnitte werden herausgeschnitten, bevor die Bauanleitung für das Protein entsteht.
Die Abschnitte, die tatsächlich die Information für das Protein enthalten, nennt man Exons. Beim SPG4-Gen sind es beispielsweise 17 Exons, die die eigentliche Bauanleitung bilden. Früher ging man davon aus, dass die dazwischenliegenden Bereiche keine wichtige Funktion haben. Sie wurden deshalb oft als „Müll-DNA“ oder im englischen Sprachraum als „Junk-DNA“ bezeichnet.
Heute weiß man jedoch, dass diese Annahme falsch war. Die nicht direkt protein-codierenden Bereiche machen rund 98 % der gesamten genetischen Information aus – und sie erfüllen dennoch wichtige Funktionen. Auch in diesen Bereichen können Veränderungen (Mutationen) auftreten, die biologischen Auswirkungen haben. Damit ist klar, dass nicht nur die Exons, sondern das gesamte Genom für die Gendiagnostik von Bedeutung ist.
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Um eine Genmutation zu diagnostizieren, wird das beim Patienten untersuchte Gen mit dem entsprechenden gesunden Vergleichsgen verglichen. Ziel ist es festzustellen, ob Veränderungen vorliegen und ob diese möglicherweise für die HSP verantwortlich sind.
Bei der Genanalyse werden einzelne Gene gezielt untersucht. Welche Gene überprüft werden, entscheidet der Arzt anhand der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Dabei wird unter anderem ermittelt, ob HSP-Symptome bereits in der Familie aufgetreten sind. Dies hilft einzuschätzen, ob eine dominante oder rezessive Form der HSP vorliegt und ermöglicht eine gezieltere Auswahl der zu untersuchende Gene.
Zusätzlich versucht der Arzt durch verschiedene Untersuchungen typische Merkmale bestimmter SPG-Formen zu erkennen. Dadurch kann die Anzahl der möglichen Zielgene weiter eingegrenzt werden. Vereinfacht gesagt: Der Arzt bestimmt zunächst den klinischen Phänotyp der Erkrankung, um daraus Rückschlüsse auf den möglichen Genotyp zu ziehen.
Diese Vorgehensweise war notwendig, da es zu dieser Zeit noch nicht möglich war, alle bekannten HSP-Gene routinemäßig zu untersuchen. Die damals verwendeten Methoden waren sehr zeitaufwendig und kostenintensiv. Deshalb übernahmen Krankenkassen die Kosten häufig nur auf Antrag und meist nur für die Untersuchung von bis zu drei Genen innerhalb einer bestimmten Kostengrenze.
Dies stellte einen Nachteil für die Patienten dar, da bei der Untersuchung von nur wenigen Genen häufig keine genetische Bestätigung der Mutation gefunden werden konnte. In dieser Zeit gelang dies nur bei etwa 70 bis 80 % der HSP-Patienten nicht zuverlässig.
Mit dem technischen Fortschritt in der Gendiagnostik hat sich auch die Art der genetischen Untersuchung deutlich verändert. Durch sogenannte Hochdurchsatzsequenzierungen (Next-Generation-Sequencing, NGS) ist es möglich geworden, nicht mehr nur einzelne Gene zu analysieren, sondern gleichzeitig die Exons aller Gene eines Menschen zu untersuchen. Die Gesamtheit dieser Exons wird als Exom bezeichnet.
Der Begriff macht bereits deutlich, dass der Fokus nicht mehr auf einzelnen Genen liegt. Bei der Exomanalyse werden die Exons des gesamten Erbguts eines HSP-Patienten mit den Exons bekannter HSP-assoziierter Gene verglichen. Dadurch lassen sich deutlich mehr genetische Veränderungen erfassen als mit früheren Verfahren.
Erwähnenswert ist, dass diese Fortschritte in der HSP-Diagnostik unter anderem durch Spenden von HSP-Patienten ermöglicht wurden. Dieses Engagement hat maßgeblich zur Entwicklung der entsprechenden Forschung beigetragen.
Trotz dieser Fortschritte bedeutet die Exomanalyse nicht, dass alle diagnostischen Probleme vollständig gelöst sind. Zwar konnte die Erfolgsrate genetischer Diagnosen von unter 30 % auf über 50 % gesteigert werden, dennoch bleibt bei etwa der Hälfte der Betroffenen weiterhin keine genetische Ursache nachweisbar.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass noch immer viele HSP-Gene unbekannt sind. Die Exomanalyse kann zwar das gesamte Exom auswerten und mit bekannten HSP-Genen vergleichen, sie ist jedoch nicht in der Lage, völlig neue HSP-Gene eigenständig zu identifizieren. Für eine vollständige genetische Diagnose wären jedoch genau solche neuen Gene entscheidend.
Das gesamte genetische Informationsmaterial eines Menschen wird als Genom bezeichnet. Es umfasst die komplette DNA. Innerhalb der Gene sind vor allem die Exons für den Aufbau von Proteinen verantwortlich, da sie die Informationen für die Bildung der mRNA enthalten. Dazwischen liegen jedoch auch Abschnitte, aus denen bestimmte Teile herausgeschnitten werden, wie zum Beispiel Introns, die nicht direkt an der Proteinbildung beteiligt sind.
Früher wurden diese nicht-codierenden Bereiche oft als „Müll-DNA“ bezeichnet. Diese Sichtweise hat sich jedoch grundlegend geändert. Heute weiß man, dass diese etwa 98 % der DNA keineswegs bedeutungslos sind. Vielmehr übernehmen sie wichtige regulatorische Funktionen und steuern unter anderem die Aktivität von Genen sowie zahlreiche biologische Prozesse. Da dieses Forschungsfeld noch relativ jung ist, sind viele Zusammenhänge bislang nicht vollständig verstanden.
Auch diese Bereiche der DNA besitzen – wie die Gene selbst – die typische Doppelhelix-Struktur. Daher ist es naheliegend, dass auch hier Mutationen auftreten können. Solche Veränderungen könnten beispielsweise die Aktivität bestimmter Gene beeinflussen. Das bedeutet, dass ein Gen selbst möglicherweise keine direkte Mutation aufweist, aber dennoch nicht korrekt funktioniert, weil seine Steuerregion verändert ist. Dadurch könnte eine Erkrankung wie HSP entstehen, obwohl das eigentliche Gen unverändert ist, aber nicht richtig aktiviert wird.
Genomanalysen dienen dazu, genau diese umfassenden Zusammenhänge im gesamten Erbgut zu untersuchen. Da der Anteil außerhalb der Exons sehr groß ist und viele Funktionen noch unbekannt sind, stellt diese Forschung ein wichtiges neues Feld dar. Sie ist jedoch auch äußerst komplex, da nicht nur die genetische Information gelesen, sondern auch ihre Funktion und ihre Wirkung auf andere DNA-Bereiche verstanden werden muss. Ziel ist es, dadurch neue Ansätze für das Verständnis und die Behandlung von HSP zu entwickeln.
Ein Vergleich verdeutlicht die Dimension dieser Aufgabe: Die Basensequenz des SPG7-Gens umfasst etwa 1.851 Buchstaben und enthält bereits mehrere hundert bekannte Mutationen. Das gesamte menschliche Genom besteht hingegen aus rund 3,27 Milliarden Basenpaaren. Daraus ergibt sich eine enorm große Zahl möglicher Veränderungen.
Dieser Größenunterschied zeigt, wie anspruchsvoll die Forschung ist. Fortschritte in diesem Bereich sind jedoch entscheidend, um langfristig therapeutische Möglichkeiten zu entwickeln. Dafür ist auch die Unterstützung von HSP-Betroffenen wichtig – nicht nur durch medizinische Teilnahme, sondern auch durch aktives Engagement, etwa bei der Förderung und Finanzierung der Forschung.
Die Lebenserwartung liegt im normalen Bereich.
Derzeit gibt es keine Therapie, die das Auftreten der HSP verhindern, aufhalten oder rückgängig machen kann. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung der Symptome. Dazu gehören Medikamente zur Reduktion von Spastik und anderen Beschwerden sowie physiotherapeutische Maßnahmen, die darauf abzielen, Beweglichkeit, Kraft und Flexibilität zu erhalten. Ergänzend kommen Trainingsgeräte wie Motomed® oder Theravital® als Beintrainer zum Einsatz, um den Verlust der Mobilität möglichst zu verlangsamen.
Die Physiotherapie bzw. Krankengymnastik (KG) ist derzeit die einzige Maßnahme, die den Verlauf der HSP positiv beeinflussen kann, indem sie die Fortschreitung verlangsamt. Sie kann die Erkrankung jedoch weder aufhalten noch heilen.
Es stehen verschiedene Behandlungskonzepte wie Bobath, Vojta, PNF und weitere zur Verfügung, die bei der HSP-Anwendung finden. Häufig stellt sich die Frage, welche Methode oder welche Übungen am besten geeignet sind. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es jedoch nicht. Der Grund dafür ist, dass die geeigneten Übungen vom individuellen Krankheitsverlauf und dem Ausmaß der bereits bestehenden Einschränkungen abhängen. Da die Symptome bei Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sind, müssen auch die therapeutischen Maßnahmen individuell angepasst werden.
Der Therapeut muss zunächst beurteilen, ob das Bewegungsvermögen verbessert werden kann, ob die Stabilität und das Gleichgewicht gefördert werden müssen, ob Schmerzen behandelt werden sollen oder ob der Fokus auf der Reduktion von Spastiken sowie ungünstigen Haltungs- und Bewegungsmustern liegt. Diese unterschiedlichen Ziele erfordern jeweils spezifische Therapieansätze. Eine einheitliche Standardtherapie für HSP gibt es bisher nicht.
Formularende
Menschen mit HSP können selbst viel dazu beitragen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Neben einer professionellen Physiotherapie ist das regelmäßige Üben zu Hause ebenso entscheidend. Das tägliche Durchführen krankengymnastischer Übungen bildet die Grundlage für einen besseren Umgang mit der Erkrankung.
Durch die von der HSP verursachten Nervenschädigungen werden Bewegungen zunehmend erschwert. Der Körper passt sich diesen Veränderungen an und nutzt Hilfsmittel bereitwillig oder vermeidet belastende Bewegungen. Dabei entsteht jedoch ein ungünstiger Effekt: Was nicht mehr aktiv ausgeführt wird, wird oft auch verlernt oder nur noch mit Unterstützung möglich.
Eine Rückgewinnung dieser verlorenen Bewegungsabläufe ist später nur schwer möglich. Deshalb ist es wichtig, vorhandene Fähigkeiten so lange wie möglich aktiv zu nutzen. Jede selbst ausgeführte Bewegung – auch wenn sie mühsam ist – trainiert den Körper und unterstützt die noch funktionierenden Fähigkeiten.
Aus diesem Grund gilt: Tägliches Üben ist entscheidend – denn jeder Schritt ist ein guter Schritt.
Die zuvor genannten Therapieformen können im Rahmen einer gezielten Rehabilitation erlernt und weiter vertieft werden. Allerdings gibt es bislang nur wenige Rehabilitationskliniken, die speziell auf das Krankheitsbild HSP ausgerichtet sind.
Aus Rückmeldungen von Betroffenen wurden uns jedoch mehrere Rehaeinrichtungen genannt, in denen Ärztinnen, Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten Erfahrung mit dieser seltenen Erkrankung haben und entsprechende, individuell angepasste Behandlungsansätze anbieten.
REHA Österreich
Empfehlenswerte Einrichtungen sind:
Klinikum Bad Hall – eines der führenden neurologischen Rehabilitationszentren Österreichs mit Schwerpunkt auf neurologischen Erkrankungen und Spastik.
Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg – stationäre neurologische Rehabilitation mit individueller Therapie für Erkrankungen des Nervensystems.
Rehaklinik Wien Baumgarten – neurologische Rehabilitation unter anderem für neuromuskuläre Erkrankungen und Erkrankungen des Rückenmarks.
aks gesundheit – Neurologische Reha – ambulante neurologische Rehabilitation mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie.
Reha Zentrum Salzburg – ambulante neurologische Rehabilitation für chronische neurologische Erkrankungen.
REHA Deutschland
Empfehlenswerte Einrichtungen sind:
Universitätsklinikum Heidelberg – eine der führenden HSP-Spezialambulanzen in Deutschland. Das Zentrum bietet spezialisierte Diagnostik, Therapie, genetische Beratung und beteiligt sich an internationalen HSP-Forschungsprojekten (TreatHSP).
Universitätsklinikum Tübingen – spezialisiert auf HSP, neurogenetische Diagnostik, Spastiktherapie (z. B. Botulinumtoxin, Baclofenpumpe) und klinische Forschung.
Knappschaft Kliniken Recklinghausen – bietet eine HSP-Spezialsprechstunde mit Diagnostik, medikamentöser Spastiktherapie, Hilfsmittelberatung und Studienangeboten.
Für die neurologische Rehabilitation kommen insbesondere infrage:
Schön Klinik Hamburg Eilbek
Schön Klinik Vogtareuth
Schön Klinik München Harlaching
Diese Kliniken nennen HSP ausdrücklich als Behandlungsgebiet und verfügen über spezialisierte neurologische Rehabilitationsprogramme.
Weitere erfahrene neurologische Reha-Kliniken sind unter anderem:
Asklepios Gesundheitszentrum Bad Tölz – Behandlung von Spastik und neurologischen Bewegungsstörungen.
MEDICLIN Klinikum Soltau – neurologische Reha für das gesamte Spektrum neurologischer Erkrankungen.
REHA Schweiz
Die wichtigsten Einrichtungen sind:
Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil – gilt als eines der führenden Zentren für Spastik, Gangrehabilitation und komplexe neurologische Erkrankungen. Obwohl HSP keine klassische Querschnittlähmung ist, werden dort auch Patientinnen und Patienten mit spastischen Gangstörungen behandelt.
REHAB Basel – hochspezialisierte Klinik für Neurorehabilitation und Paraplegiologie mit Erfahrung in Spastikbehandlung, Hilfsmittelversorgung und Langzeitrehabilitation.
Klinik Lengg in Zürich – spezialisiert auf neurologische Rehabilitation bei chronischen neurologischen Erkrankungen und Spastik.
Zentrum für Paraplegie Balgrist in Zürich – bietet spezialisierte neurologische Diagnostik und Behandlung von Spastik, einschließlich Botulinumtoxin-Therapie.
Für HSP sind insbesondere Programme mit:
intensiver Physiotherapie und Gangtraining,
Spastikbehandlung (z. B. mit Baclofen oder Botulinumtoxin),
Hilfsmittelberatung (Orthesen, Rollator),
Ergotherapie und neuro-urologischer Betreuung bei Blasenproblemen
Für Menschen mit HSP steht eine Vielzahl an Hilfsmitteln zur Verfügung, die den Alltag erleichtern können. Dabei ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Einsatz stets an den individuellen Verlauf der Erkrankung angepasst werden sollte. Wie bereits beschrieben, verläuft HSP bei jedem Betroffenen unterschiedlich, sodass es kein universell passendes Hilfsmittel für alle gibt.
Zudem gewöhnt sich der Körper schnell an unterstützende Hilfsmittel. Nach einer gewissen Nutzungsdauer – häufig bereits nach wenigen Wochen – kann es schwierig werden, wieder darauf zu verzichten. Daher sollte der Einsatz gut überlegt und im Verlauf regelmäßig überprüft werden.
Viele HSP-Betroffene benötigen gar keine Hilfsmittel. Sie bewegen sich langsamer als der gesunde Mensch, nehmen dieses Handicap aber in Kauf, weil sie versuchen, alles Erreichbare aus ihrem Körper herauszuholen. Als erstes Hilfsmittel wird oft ein Gehstock eingesetzt. Häufig werden auch „Nordic-Walking Stöcke“ gebraucht, die wegen ihrer Länge bewirken, dass die Körperhaltung sehr aufrecht bleibt und sich nicht der nach vorn gebeugtem Gang zu schnell entwickelt. Zudem sind die „Nordic-Walking Stöcke“ ja auch noch „sportlich“.
Beim Einsatz von Gehstöcken sollte darauf geachtet werden, dass diese höhenverstellbar sind. Zusätzlich hat es sich als vorteilhaft erwiesen, beim Griff am Stock eine Lösung zu wählen, durch die die Hand flach auf den Griff aufliegt (anatomischer Griff). Das ist auf Dauer weniger anstrengend und angenehmer in der Nutzung.
In der Anfangsphase der HSP-Symptomatik werden oft Fußheberschienen, die auch Orthesen genannt werden eingesetzt. Diese Schienen sollen dazu dienen, die vorhandene Fußheber- schwäche auszugleichen. Das Prinzip, nachdem diese Schienen arbeiten, ist denkbar einfach. Im Bild links ist zu erkennen, dass solche Schienen aus einem Fußteil und einem Schaftteil bestehen. Der Schaftteil ist dabei leicht nach vorne geneigt. Wenn dieses Hilfsmittel nun in den Schuh gesetzt wird und wenn dann das Bein im Schuh steht, dann drückt die Wade gegen den Schaft. Durch diesen Druck wird der Schaft nach hinten gedrückt und in der Folge geht das Fußteil leicht nach oben (siehe Bild rechts). Das soll bewirken, dass die Fußspitze etwas angehoben wird. Somit ist die Funktion des zu schwach gewordenen Fußhebers wieder gegeben.
Es gibt zahlreiche Bauformen dieser Schienen. Sie sind auf die jeweilige Nutzung und auf die Stärke der Fußheberschwäche abgestimmt. Sie sind unterschiedlich groß und unterschiedlich schwer. Falsch gewählte Schienen halten nicht lange und brechen am Schaft ab oder sind zu schwer, so dass das Laufen damit zu schwierig wird. Da die Wahl der Bauform der Schiene die Nutzungsmöglichkeit bestimmt, ist in jedem Fall der Besuch in einem Sanitätshaus erforderlich.
Fußheberschienen sind mechanische Hilfsmittel. Sie sprechen zwar, wie auch das FES (Funktionale Elektrostimulation) den Fußheber an, machen das aber nur auf die zuvor beschriebene Art und Weise. Das FES hingegen arbeitet mit elektrischem Strom.
Zahlreiche HSP’ler nutzen einen Rollator. Er erlaubt das sichere Bewegen beim Einkaufen oder auch beim Spazierengehen. Er bietet den Benutzern Halt, erleichtert die Fortbewegung und schützt sie vor Stolperfallen und herumliegenden Gegenständen. Bei der Beschaffung dieses Hilfsmittels ist darauf zu achten, dass der Rollator sehr leicht sein sollte. Außerdem sollte er faltbar sein, so dass er auch problemlos im Auto verstaut werden kann. In jedem Fall sollte ein Rollator, bevor er durch den Arzt verordnet wird, im Sanitätshaus ausprobiert werden. Die Abstände der Räder beeinflussen sehr stark die Nutzungsfreundlichkeit.
Das Bestellen eines Rollstuhles ist schon fast eine Wissenschaft. Rollstühle sind nicht nur in ihrer Breite, Länge und Höhe unterschiedlich und auf den Nutzer exakt abzustimmen, nein, es gibt auch sehr unterschiedliche Grundtypen von Rollstühlen. Nur drei solcher Typen sollen hier erwähnt werden. Da ist zunächst der „normale“ Rollstuhl, der zwar seine Funktion erfüllt, sich jedoch sehr schlecht bewegen lässt. Dann gibt es den „Leichtgewichtrollstuhl“, der den Vorteil bietet mit weniger Gewicht auszukommen. Es gibt solche Stühle bereits mit einem Leergewicht von etwa 9kg. Zusätzlich sind „Aktivrollstühle“ erhältlich, die vom Gewicht her auch sehr leicht sind, die zusätzlich so konstruiert sind, dass sie in der Nutzung flexibel sind. Bei solchen Rollstühlen ist die Positionierung der Räder besonders durchdacht. Sie sind in der Nutzung etwas gewöhnungsbedürftig, da sie ein verändertes Stabilitätsverhalten zeigen.
Auch bei den Rollstühlen gilt, dass sie vor der Beantragung bei der Krankenkasse möglichst intensiv getestet werden sollten. Nur nach einem Test (die mehrere Tage dauern sollte) ist feststellbar, welcher Stuhl der richtige ist. (Es ist erstaunlich, dass bei der Bestellung eines Autos oft mehr Zeit aufgebracht wird, obwohl ein Rollstuhlnutzer mehr Zeit im Rollstuhl als im Auto verbringt!) In jedem Fall sollte auch beim Rollstuhl darauf geachtet werden, dass er faltbar ist. Ein Verstauen des Stuhls im Kofferraum des Autos ist vor der Bestellung unbedingt auszuprobieren.
Zusätzlich gibt es eine Vielzahl von Elektroantrieben für den Rollstuhl. Hier ist auf das Gewicht dieser Antriebseinheit sowie auf die leichte Montage bzw. Demontage zu achten. Solche Antriebe, die problemlos als Hilfsantrieb angebracht werden können, sind im Regelfall Elektroantriebe. Bei der Bestellung ist auf die Nutzungszeit dieser Antriebe bis zu einer erneuten Aufladung der Batterien zu achten. Genauso sollte gefragt werden, welche Steigung auf der Straße mit diesem Antrieb bewältigt werden kann.
Manchmal taucht die Frage auf, ab welchem Zeitpunkt ein HSP-Betroffener einen Rollstuhl nutzen sollte. Es ist schnell einleuchtend, dass es darauf keine allgemein gültige Antwort geben kann. Der Beginn der Nutzung und die Intensität der Nutzung ist abhängig von der Strecke, die regelmäßig zurückgelegt werden muss und natürlich vom Fortschritt der HSP-Symptomatik. Für den einen, der täglich ins Büro fährt und der so täglich eine lange Strecke zurücklegt, kann die Nutzung des Rollstuhls sehr frühzeitig angesagt sein. Für den anderen, der sich nur wenige Meter am Tag bewegen muss, kann die regelmäßige Nutzung sehr viel später beginnen. In jedem Fall besteht keine "Verpflichtung", den Rollstuhl ständig zu nutzen, sobald er von der Krankenkasse genehmigt wurde. Viele HSP'ler nutzen ihn nur dann, wenn sie längere Strecken zu bewältigen haben.
Auch Scooter sind zum Teil bei HSP-Betroffenen im Einsatz. Es gibt solche Geräte als Dreirad oder als Vierrad, es gibt sie elektromotorisch angetrieben und benzinmotorisch angetrieben. Sie bieten den großen Vorteil der höheren Flexibilität; gleichzeitig sind sie aber in PKWs nur sehr schwer mitzunehmen, da das Gewicht der Skooter und ihre Größe das kaum zulässt. Ein weiterer möglicher Nachteil liegt darin, dass solche Geräte wegen ihrer Größe nicht in jedes Gebäude mitgenommen werden können. Das kann z.B. beim Besuch eines Arztes von sehr großem Nachteil sein.
Mit diesem Hilfsmittel wird der für die Fußhebung zuständige Nerv von außen elektrisch gereizt, und es wird durch diesen Reiz erreicht, dass der Fußheber wieder besser funktioniert. Das FES ist in einer Studie an der Universitätsklinik zu Tübingen intensiv an HSP-Patienten getestet worden.
Im Folgenden sind die am häufigsten eingesetzte Medikamente zur Behandlung von Spastik aufgeführt. Zunächst wird jeweils der Wirkstoff genannt, gefolgt von einem Beispielpräparat in Klammern, das diesen Wirkstoff enthält und häufig verordnet wird. Die genannten Handelsnamen dienen lediglich der besseren Verständlichkeit; die Aussagen zum jeweiligen Wirkstoff gelten gleichermaßen für andere Präparate mit demselben Wirkstoff.
Diese Übersicht ist ausdrücklich nicht als Empfehlung für die Auswahl eines bestimmten Medikaments zu verstehen, sondern dient ausschließlich der Information. Welche Therapie im individuellen Fall geeignet ist, kann nur gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden werden. Dabei müssen auch mögliche Risikofaktoren wie beispielsweise eine eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion berücksichtigt werden, da diese die Anwendung bestimmter Medikamente einschränken oder ausschließen können.
Häufig eingesetzte Medikamente sind:
Baclofen: Oft das Mittel der ersten Wahl zur Verringerung der Muskelspastik. Es kann als Tablette oder – bei schwerer Spastik – über eine intrathekale Baclofenpumpe verabreicht werden.
Tizanidin: Kann ebenfalls Muskelspastik reduzieren. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit und niedriger Blutdruck.
Dantrolen: Wird seltener eingesetzt und wirkt direkt am Muskel. Die Leberfunktion muss überwacht werden.
Diazepam oder Clonazepam: Können Spastik lindern, werden wegen Müdigkeit und Abhängigkeitsrisiko meist nur in ausgewählten Situationen verwendet.
Botulinumtoxin: Kann bei einzelnen besonders stark betroffenen Muskelgruppen als Injektion hilfreich sein.
Je nach Begleitsymptomen können zusätzlich andere Medikamente sinnvoll sein:
Bei neuropathischen Schmerzen: Gabapentin oder Pregabalin.
Bei Blasenstörungen: Medikamente wie Oxybutynin oder Mirabegron, abhängig von der Art der Beschwerden.
Im Jahr 2015 waren bereits mehr als 85 verschiedene Formen der hereditären spastischen Paraplegie (HSP) bekannt. Die Erkrankung kann auf unterschiedlichen genetischen Vererbungswegen auftreten: autosomal-dominant, autosomal-rezessiv und X-chromosomal. Je nach Erbgang variiert das Erkrankungsrisiko innerhalb der Familie deutlich und kann von nahezu null bis zu 50 % reichen.
Zu beachten ist, dass bislang nur ein Teil der verantwortlichen HSP-Gene eindeutig identifiziert werden konnte. Darüber hinaus werden fortlaufend neue Gene entdeckt, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass insgesamt mindestens 200 verschiedene HSP-Gene existieren könnten.
Die hereditäre spastische Paraplegie (HSP) entsteht durch eine Schädigung der sogenannten oberen Motoneuronen im Gehirn und Rückenmark. Diese Nervenzellen bilden die Grundlage für die willkürliche Bewegungssteuerung. Ihre Zellkörper liegen im motorischen Kortex des Gehirns, von wo auslange, dünne Nervenfasern (Axone) über den Hirnstamm bis ins Rückenmark ziehen. Über den sogenannten kortikospinalen Trakt werden die Bewegungsimpulse weitergeleitet.
Am Ende dieser Bahn werden die Signale an die nachgeschalteten motorischen Nervenzellen im Rückenmark übertragen. Diese werden als untere Motoneuronen bezeichnet und sind bei der HSP selbst nicht geschädigt. Sie leiten die Impulse anschließend an die Muskeln weiter.
Bei der HSP ist jedoch die Übertragung der Befehle durch die geschädigten oberen Motoneuronen gestört. Dadurch erreichen die Bewegungsimpulse die unteren Motoneuronen nicht korrekt. Diese geben folglich fehlerhafte oder unzureichende Signale an die Muskulatur weiter. Das führt zu einer erhöhten Muskelspannung (Spastik) und zu einer abnehmenden Muskelkraft.
Mit fortschreitender Degeneration verstärken sich sowohl die Spastik als auch die Muskelschwäche. Besonders betroffen sind meist die Beine, da die längsten Nervenbahnen, die sie versorgen, am anfälligsten für diese Schädigung sind. In einigen Fällen können auch Arme sowie Sprech-, Schluck- oder Rumpfmuskulatur leicht beeinträchtigt sein.
Im Rahmen der hereditären spastischen Paraparese (HSP) können nicht nur die Beine, sondern in manchen Fällen auch die Arme und Hände von der Erkrankung betroffen sein. Sind ausschließlich die unteren Extremitäten betroffen, spricht man von einer Paraspastik. Wenn hingegen sowohl die Beine als auch die oberen Extremitäten (Arme und Hände) beteiligt sind, wird dies als Tetraspastik bezeichnet.
Beide Erscheinungsformen haben grundsätzlich dieselbe Ursache. Der Unterschied liegt in der Ausbreitung der Schädigung innerhalb der Nervenbahnen des Rückenmarks: Bei der Tetraspastik sind die betroffenen Bereiche nicht nur im unteren Abschnitt lokalisiert, sondern zusätzlich auch in höheren Abschnitten des Rückenmarks zu finden. Eine ausgeprägte Tetraspastik tritt bei der HSP insgesamt nur sehr selten auf.
Symptome einer spastischen Paraparese können auch im Rahmen verschiedener anderer Erkrankungen auftreten, die nicht zur hereditären spastischen Paraparese (HSP) gehören. So gibt es beispielsweise die tropische spastische Paraparese, eine durch Viren ausgelöste Erkrankung, die klinisch der HSP ähneln kann. Ebenso können toxisch bedingte Formen auftreten, etwa im Zusammenhang mit dem Lathyrismus-Syndrom (Kichererbsenvergiftung) oder Konzo, die durch Giftstoffe in Pflanzen wie Lathyrus sativus oder Maniok verursacht werden.
Darüber hinaus kommen zahlreiche weitere Ursachen infrage, die spastische Paraparesen auslösen können. Dazu zählen unter anderem die primäre Lateralsklerose (PLS), Schädigungen oder Tumore des Rückenmarks, Zerebralparese, Multiple Sklerose (MS), amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Vitaminmangelzustände sowie Verletzungen oder Erkrankungen der Brustwirbelsäule.
Im Rahmen der Diagnostik einer HSP werden diese möglichen Ursachen zunächst systematisch überprüft und ausgeschlossen.
Zu Beginn der Erkrankung ähneln die Symptome der primären Lateralsklerose (PLS) häufig stark denen der hereditären spastischen Paraparese (HSP). Dennoch zählt die PLS nicht zu den genetisch bedingten Erkrankungen, auch wenn inzwischen ein erstes Gen identifiziert wurde, das möglicherweise mit einer kindlichen Form der PLS in Verbindung steht.
Die enge Verwandtschaft beider Krankheitsbilder zeigt sich auch darin, dass sie in manchen internationalen Selbsthilfeorganisationen gemeinsam behandelt und betreut werden. Da es auch hierzulande Betroffene gibt, bei denen die Diagnose HSP noch nicht eindeutig gestellt ist und bei denen eine PLS als mögliche Alternative diskutiert wird, sollen die wichtigsten Aspekte beider Erkrankungen vergleichend gegenübergestellt werden.
Hohlfuß (Hoch gewölbte Füße): Es zeigen sich hohe Wölbungen, weil es eine größere Schwäche in den Fußmuskeln gibt, die den Fuß aufwärtsbewegen und die Wölbung glattziehen als in den Muskeln, die den Fuß abwärts bewegen. Typisch sind dann teils schmerzhafte Druckstellen, die am Fußrücken durch den Schuh ausgelöst werden.
Verkürzte Achillessehnen: Achillessehnen sind oft kurz und verkürzen sich im Allgemeinen weiter, so wie sich die HSP weiterentwickelt.
Klonus (Zitternde Füße oder Beine): Ein Klonus ist eine durch einen raschen Dehnungsreiz auslösbare rhythmische Kontraktion (Zusammenziehen) von Muskelgruppen. Der Klonus zeigt sich bei der HSP durch ein unkontrollierbares, sich wiederholendes Zusammenziehen von Muskeln, das den Fuß oder das Bein dazu bringt, sich schnell auf- und abwärtszubewegen (zitternde Bewegung). Er tritt auf, wenn der Fuß in eine Stellung kommt, die eine Unterbrechung der Signale vom Gehirn verursacht und zu einem automatischen Dehnungsreflex führt.
Hammerzehen oder entzündete Fußballen: durch Verkürzung der Muskeln, Sehnen und Bänder an den Zehen bedingte Zehenverbildung
Kalte Füße und/oder angeschwollene Füße: Dies wird am wahrscheinlichsten von einem schlechten Kreislauf verursacht. Normalerweise helfen die Muskelkontraktionen in den Beinen, das Blut von den Beinen zurück zum Herzen zu pumpen. Wenn die Muskeln geschwächt werden oder wenn die Person relativ inaktiv ist, kann die Durchblutung der Beine vermindert sein und Flüssigkeiten können sich ansammeln. Dies kann anschwellende Füße (Lymphstau) oder eine Empfindung "kalter Füße" verursachen. Auch hier ist erkennbar, wie wichtig Bewegung und Krankengymnastik ist. Eine Lymphdrainage kann hier sehr hilfreich sein.
Bei manchen Betroffenen kann es zu Beschwerden in den Armen oder zu Einschränkungen der Feinmotorik der Finger kommen. Die Schädigung der Nerven, die für die Steuerung der Arme verantwortlich sind, verursacht dort ähnliche Symptome wie bei den Nerven, die die Beine versorgen. Allerdings tritt dieses Symptom bei den meisten Betroffenen nicht auf.
Phasen, in denen sich Betroffene aufgrund der HSP belastet oder niedergeschlagen fühlen, sind durchaus häufig und gehören oft zum Krankheitsverlauf. Es kommt auch vor, dass einige Patienten zeitweise eine klinische Depression entwickeln. Diese kann in bestimmten Fällen medikamentös behandelt werden. Bei entsprechenden Beschwerden sollte unbedingt ein Arzt mit Erfahrung in der HSP kontaktiert werden.
Bei der HSP gibt es große Unterschiede darin, wann die Erkrankung beginnt, wie schnell sie fortschreitet und wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Ein Grund dafür ist, dass HSP keine einzelne Krankheit ist, sondern eine Gruppe genetisch unterschiedlicher Erkrankungen.
Die Unterschiede können unter anderem durch verschiedene genetische Veränderungen verursacht werden. Allerdings können selbst Menschen mit derselben Genmutation – auch innerhalb einer Familie – sehr unterschiedliche Verläufe haben. So kann es sein, dass ein Kind ähnliche Symptome wie ein Elternteil zeigt, während andere Familienmitglieder nur leichte Beschwerden haben oder deutlich stärker betroffen sind.
Vermutlich spielen neben der Genmutation auch weitere Faktoren eine Rolle, etwa sogenannte Modifikator-Gene, Umwelteinflüsse, Ernährung, der allgemeine Gesundheitszustand oder bislang noch nicht bekannte Einflüsse. Die genaue Ursache dieser Unterschiede ist noch nicht vollständig geklärt, weshalb die Forschung in diesem Bereich weiterhin wichtig ist.
In manchen Familien zeigt sich zudem, dass die Symptome in jeder Generation früher auftreten können.
Manchmal liegt außerdem eine sogenannte „inkomplette Penetranz“ vor. Das bedeutet, dass eine Person die genetische Veränderung zwar trägt, aber dennoch nie Symptome entwickelt. Schätzungen zufolge kann das bei etwa 25 % der Betroffenen vorkommen. Diese Personen können die Mutation dennoch an ihre Kinder weitergeben, auch wenn sie selbst kaum oder keine Beschwerden haben.
Viele Betroffene beobachten, dass sich ihre spastische Muskelsteifigkeit deutlich verstärkt, wenn sie sich ärgern oder unter Stress stehen. Die genauen Mechanismen, wie Emotionen die Muskelspannung beeinflussen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass dabei unter anderem das in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttete Adrenalin eine Rolle spielt.
Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich ja. Allerdings ist zu beachten, dass sexuelles Verlangen und sexuelle Funktionen von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängen können, darunter Alter, Stress, Depressionen, Erschöpfung, andere Erkrankungen sowie Medikamente.
Einige Betroffene berichten, dass die durch die HSP verursachte Beinsteifigkeit, Spastik und Krämpfe Auswirkungen auf den Orgasmus haben können. Dieser kann dadurch entweder abgeschwächt oder in manchen Fällen auch intensiviert werden. Umgekehrt kann der Orgasmus selbst wiederum Muskelreaktionen wie Beinstarre, Krämpfe oder einen Klonus auslösen.
Bei Männern mit HSP werden zudem gelegentlich Erektionsstörungen beschrieben, die möglicherweise mit der Spastik zusammenhängen. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Zusammenhang ist jedoch bisher nicht abschließend geklärt.
Die sogenannten Ataxien, zu denen beispielsweise die Friedreich-Ataxie zählt, sind Erkrankungen des Kleinhirns. Die HSP hingegen betrifft das Kleinhirn nicht.
Die für die Bewegung zuständigen Nervenimpulse entstehen im motorischen Zentrum und werden über das erste und zweite Motoneuron an die Muskulatur weitergeleitet. Bei der HSP liegt die Störung in diesen motorischen Bahnen, nicht im Kleinhirn selbst.
Der letzte Satz des Ausgangstextes („Die Regelung trägt also der Verantwortung …“) passt inhaltlich nicht zum Thema HSP und wurde daher nicht übernommen.
Ob das „Restless-Legs-Syndrom“ (RLS; auch „unruhige Beine“, gekennzeichnet durch Zuckungen und Bewegungsdrang in Ruhe- oder Schlafphasen) typisch für die HSP ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es gibt keinen klaren Nachweis, dass RLS grundsätzlich zur HSP gehört. Allerdings fällt auf, dass RLS in der Allgemeinbevölkerung etwa bei 10 % vorkommt, während rund 30 % der Menschen mit HSP über entsprechende Beschwerden berichten.
Ob es sich in diesen Fällen tatsächlich immer um ein klassisches Restless-Legs-Syndrom handelt, sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.
Grundsätzlich kann RLS gut medikamentös behandelt werden. Eine geeignete Therapie kann nicht nur die Beschwerden des RLS lindern, sondern möglicherweise auch spastische Symptome im Rahmen der HSP positiv beeinflussen. Insgesamt sind die durch RLS verursachten unruhigen Beine meist gut behandelbar, wodurch sich die Lebensqualität deutlich verbessern lässt.
Vereinzelt wird zudem berichtet, dass sogenannte Titan-Implantate im Ohr, die nach dem Prinzip der Akupunktur eingesetzt werden, eine positive Wirkung auf RLS-Symptome haben können. Dabei handelt es sich um sehr kleine, dauerhaft eingesetzte Nadeln im Ohrläppchen. Allerdings ist diese Behandlung nicht wissenschaftlich gesichert, muss selbst bezahlt werden und bietet keine Garantie für einen Behandlungserfolg.
Abschließend ist zu beachten, dass bislang nicht eindeutig geklärt ist, ob RLS bei HSP-Betroffenen tatsächlich dieselben Ursachen hat wie beim klassischen Restless-Legs-Syndrom oder ob die HSP selbst einen anderen Mechanismus für die unruhigen Beine bedingt.
Viele Menschen mit HSP berichten über Schmerzen. Dabei ist es entscheidend, zwischen spastikbedingten Schmerzen und anderen Schmerzformen wie Nervenschmerzen oder Gelenkbeschwerden zu unterscheiden. Bei Schmerzen, die direkt durch Spastik verursacht werden, können orale Antispastika oder Botulinumtoxin oft gezielter und wirksamer eingesetzt werden als herkömmliche Schmerzmittel. Grundsätzlich gilt jedoch auch hier, dass nicht jedes Schmerzmittel bei jeder Schmerzart gleichermaßen hilft.
Wichtig ist ein strukturiertes Vorgehen: Zunächst sollte die Schmerzursache möglichst genau bestimmt werden. Anschließend sollte – wenn möglich – die Ursache behandelt werden, bevor ein geeignetes Schmerzmittel ausgewählt wird. Eine individuelle Beratung durch Neurologinnen und Neurologen oder Schmerztherapeuten ist dabei sehr empfehlenswert.
Durch die eingeschränkte Beweglichkeit bei HSP kann es zudem zu einer dauerhaften Verkürzung einzelner Muskeln oder Muskelgruppen kommen. Diese Veränderung wird als Kontraktur bezeichnet. Ebenso können Fehlhaltungen und Fehlbelastungen der Wirbelsäule zu Rückenschmerzen führen. Solchen Entwicklungen sollte möglichst frühzeitig durch Physiotherapie entgegengewirkt werden. Bereits bestehende Kontrakturen lassen sich nur schwer und meist nur mit großem therapeutischem Aufwand wieder zurückbilden.
Daher gilt auch hier: Vorbeugung ist entscheidend und oft die wirksamste Maßnahme.
Diese Beschwerden treten bei HSP durchaus häufig auf. Sie entstehen meist als Folge von Fehlbelastungen, die durch die Spastik und die damit verbundenen Bewegungsstörungen verursacht werden. Eine reine Behandlung mit Schmerzmitteln ist in diesen Fällen oft nicht die beste Lösung.
Vielmehr steht eine gezielte physiotherapeutische Behandlung im Vordergrund, um die Ursache der Beschwerden zu beeinflussen und die Belastung zu reduzieren. Dadurch lassen sich Schmerzen häufig wirksamer und nachhaltiger lindern.
Einige Menschen mit HSP berichten über Rückenschmerzen. Auch in diesen Fällen kann eine gezielte und individuell angepasste Physiotherapie die beste Behandlungsoption sein. In manchen Situationen scheint ein operativer Eingriff als einzige Alternative in Betracht zu kommen. Allerdings sollte zur Vermeidung möglicher Komplikationen und langfristiger Folgeschäden stets sorgfältig geprüft werden, ob konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden.
Störungen der Blasenfunktion gehören zu den häufigen Symptomen bei HSP und treten bei vielen Betroffenen auf. Typisch sind dabei sowohl eine Harninkontinenz, bei der der Urin nicht zuverlässig gehalten werden kann, als auch ein Harnverhalt (auch Harnretention oder Ischurie genannt), bei dem die Blase nicht vollständig oder nur erschwert entleert wird. Weiterführende Informationen bieten unter anderem die entsprechenden Artikel zur Harninkontinenz und zum Harnverhalt.
Die Harnblase hat zwei zentrale Aufgaben: Sie speichert den Urin bis zum Entleerungszeitpunkt und sorgt anschließend für dessen kontrollierte Ausscheidung. Störungen können daher entweder die Speicherfunktion oder die Entleerungsfunktion betreffen.
Für die Blasenentleerung ist das Zusammenspiel von Blasenmuskulatur und den ringförmigen Schließmuskeln (Sphinktern) entscheidend. Während der Miktion öffnen sich der innere und äußere Schließmuskel, und gleichzeitig zieht sich der Blasenmuskel zusammen. Im gesunden Zustand führt dieser koordinierte Ablauf dazu, dass die Blase weitgehend vollständig und ohne nennenswerte Restharnbildung entleert wird.
Diese komplexe Steuerung wird durch das Nervensystem geregelt. Über Nervenimpulse wird das Zusammenspiel der beteiligten Muskeln koordiniert. Bei HSP können diese Nervenbahnen durch die zugrunde liegende genetische Veränderung beeinträchtigt sein, sodass die Signalübertragung gestört ist.
Die auftretenden Beschwerden sollten immer mit einem HSP-spezialisierten Facharzt besprochen werden. Zusätzlich kann die Konsultation eines Neurourologen sinnvoll sein.
Es stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich individuell nach der jeweiligen Symptomatik richten. Diese können helfen, die Beschwerden zu lindern und Folgeprobleme zu vermeiden.
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Störungen der Verdauung, insbesondere in Form von Verstopfung, treten bei vielen Menschen mit HSP häufig auf. Betroffene berichten immer wieder über Schwierigkeiten beim Stuhlgang. Dieses Symptom sollte unbedingt mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprochen werden.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten, selbst Einfluss auf die Verdauung zu nehmen. Ein zentraler Ansatz ist die Ernährungsumstellung hin zu einem höheren Anteil an Ballaststoffen. Konkret bedeutet das beispielsweise, Weißbrot und helle Backwaren häufiger durch Vollkornprodukte zu ersetzen. Auch ballaststoffreiche Lebensmittel wie Haferflocken im Müsli können die Verdauung positiv unterstützen. Generell gilt: Je höher der Ballaststoffanteil in der Ernährung ist, desto geringer ist in vielen Fällen das Risiko für Verstopfung.
Zusätzlich wird gelegentlich der Einsatz von Curcumin, dem Wirkstoff aus der Kurkuma-Pflanze, als unterstützend beschrieben. Eine mögliche tägliche Dosierung sollte jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen und liegt häufig bei etwa 350 mg.
Auch Flohsamenschalen können hilfreich sein. Diese werden in Wasser eingerührt und anschließend getrunken, wodurch sie die Verdauung auf natürliche Weise unterstützen können.
Neben diesen Maßnahmen stehen auch verschiedene medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese sollten ebenfalls immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden. Es gibt entsprechende Präparate in unterschiedlichen Formen wie Tabletten, Sirup, Granulat, Zäpfchen, Gel oder Tee. Viele dieser Mittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, dennoch ist eine fachliche Beratung hinsichtlich Wirkung und Anwendung empfehlenswert.
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Auf den ersten Blick lautet die Antwort darauf ein klares „Nein“. Ganz so eindeutig ist es jedoch nicht. Seit Anfang 2016 wird an der Universitätsklinik Tübingen im Rahmen eines speziellen Forschungsprojekts untersucht, ob es hierzu alternative Möglichkeiten geben könnte. Ausgangspunkt dieser Studie sind Erkenntnisse aus anderen genetisch bedingten Erkrankungen.
Bei Krankheiten wie den Ataxien oder der Huntington-Erkrankung ist bekannt, dass bereits vor dem klinischen Ausbruch messbare Veränderungen in der Kernspintomographie auftreten können. Auch die Bewegungsmuster lassen sich dort oft schon mehr als zehn Jahre vor den ersten spürbaren Symptomen objektiv verändern. Dadurch wird es möglich, Krankheitsverläufe bereits in einer sehr frühen Phase zu erfassen – noch bevor Betroffene Beschwerden entwickeln. Genau in diesem Stadium würde idealerweise eine Therapie ansetzen, um den Krankheitsprozess zu verlangsamen oder den Ausbruch deutlich hinauszuzögern.
Die Studie trägt den Namen „PreSPG4“ und konzentriert sich ausschließlich auf das SPG4-Gen (Spastin). Diese Einschränkung ist notwendig, da nur Personen mit derselben genetischen Form der HSP untersucht werden können. Da SPG4 die häufigste Mutation bei HSP-Betroffenen darstellt, wurde dieses Gen für die Studie ausgewählt, um ausreichend viele Teilnehmende zu erreichen.
Erste Ansprechpartner für Menschen mit HSP ist in der Regel der behandelnde Arzt vor Ort. Da diese Erkrankung selten ist, sind viele Ärztinnen und Ärzte nur gelegentlich oder sogar erstmals mit HSP konfrontiert. Umso wichtiger ist es, den Austausch und das Wissen darüber zu verbessern. Eine einfache Möglichkeit dazu besteht darin, dass Betroffene ihre behandelnden Ärzte konkret benennen und so zur besseren Vernetzung beitragen.
Die HSP ist eine Erkrankung, die die Lebensqualität beeinträchtigen kann. Im Vergleich zu vielen anderen unheilbaren Krankheiten zeigt sie sich jedoch meist weniger drastisch, unter anderem deshalb, weil sie die Lebenserwartung in der Regel nicht verkürzt. Daher besteht für Betroffene die wichtige Aufgabe, ihr Leben weiterhin als lebenswert zu gestalten und es möglichst offen und positiv zu führen.
Ein zentraler Aspekt dabei ist, sich bewusst immer wieder kleine Freuden zu erlauben und aktiv schöne Momente zu schaffen. Solche positiven Erlebnisse wirken entspannend auf Körper und Geist und können damit auch einen unterstützenden, therapeutischen Effekt haben.
Hilfreich ist es außerdem, die Erkrankung als festen Bestandteil des eigenen Lebens zu akzeptieren und offen damit umzugehen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass niemand selbst durch falsches Verhalten oder schuld daran ist. Gerade am Anfang kann es schwerfallen, im Freundes- und Bekanntenkreis über die Erkrankung zu sprechen. Wichtig ist dabei klarzustellen, dass kein Mitleid erwünscht ist. Menschen mit HSP bleiben vollwertige Mitglieder der Gesellschaft. Oft reagieren gute Freunde mit Verständnis und Dankbarkeit für die Offenheit. Beziehungen müssen durch die Erkrankung nicht leiden – im Gegenteil, sie können sich sogar vertiefen. Offene Kommunikation hilft zudem, Isolation zu vermeiden. Diese Offenheit muss jeder Betroffene selbst entwickeln; sie kann einem niemand abnehmen, auch wenn sie anfangs Überwindung kostet – sie lohnt sich jedoch.
Nicht selten entstehen Schuldgefühle, wenn die Erkrankung an Kinder weitergegeben wurde. Diese Gefühle sind jedoch unbegründet. Auch Menschen mit HSP können ein erfülltes Leben führen, sich positiv entwickeln und Lebensfreude erleben und weitergeben. Zur Verdeutlichung: Auch bei Eigenschaften wie Intelligenz, die teilweise genetisch beeinflusst sind, stellt sich die Frage nach Schuld in der Regel nicht – vermutlich, weil solche Merkmale weniger sichtbar sind als eine körperliche Einschränkung.
Daher sind Schuldgefühle kein hilfreicher Weg. Sinnvoller ist es, gemeinsam Wege zu finden, trotz oder mit der Erkrankung ein erfülltes und aktives Leben zu gestalten.
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